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Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt von C. A. Fletcher

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt“ von C. A. Fletcher
Penhaligon Verlag – April 2020 – Postapokalypse – Einzelband – Originaltitel: A boy, his dog and the end of the world – Übersetzung: Vanessa Lamatsch – Taschenbuch – 474 Seiten – 15,00€ – 
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Vielen Dank an Bloggerportal für das Rezensionsexemplar

Liebe, Mut und Zielstrebigkeit eines jungen Menschen in einer beängstigend leeren Welt“

Der Titel des Buches hat mich förmlich angesprungen, denn an Dystopien komme ich so gut wie nicht vorbei ohne das ich sie lesen will. Allerdings habe ich während des Lesens gemerkt das ich mich geirrt hatte und es sich eher um eine Postapokalypse handelt. Ob ich enttäuscht war? Nein. Ganz im Gegenteil, so etwas wie diese Geschichte habe ich noch nie gelesen und bin nach wie vor absolut begeistert von der Idee und der Umsetzung.

Worum es in der Geschichte geht:

Griz lebt gemeinsam mit seinen Eltern, seinen Geschwistern und den Hunden, Jip und Jess, auf einer kleinen Insel, ca. 100 Jahre in der Zukunft. Die Welt wie wir sie kennen existiert nicht mehr. Viele Faktoren und Umwelteinflüsse haben zur Zeit der „Kastration“ und danach zur „Zeit der Kinderlosen“ geführt und jetzt gibt es nur noch sehr wenige Menschen, die sich überhaupt fortpflanzen können. Die Folge daraus – 100 Jahre danach – ist eine dünn besiedelte Welt.

Auf die kleine Insel verirren sich deshalb sehr selten Besucher, doch eines Tages kommt ein Fremder, der augenscheinlich nichts böses im Sinn hat, doch als Griz am nächsten Morgen aufwacht ist der Fremde weg und mit ihm Griz Hündin Jess. Kopfüber bricht Griz auf, um sich Jess zurück zu holen. Während der Verfolgungsjagd gibt es viel zu entdecken, neues zu lernen und einiges an Gefahren zu bestehen. Doch Griz lässt sich von nicht abhalten und durch nichts unterkriegen und verfolgt verbissen den Plan Jess aus den fremden Fängen zu befreien und sie wieder nach Hause zu bringen.

Schreibstil und Lesefluß

C. A. Fletcher’s Schreibstil ist bildgewaltig, poetisch, sehr ausführlich und lebendig. Er arbeitet sehr viel mit Metaphern und Personifikation, was seinen Text zu einem Leseerlebnis macht. Während des Lesens hatte ich das Gefühl mittendrin zu sein und die Welt, wie Griz sie sieht, wirklich zu erleben. Die Beschreibung der Umgebung war beängstigen, aber auch genauso beeindruckend.

Griz Denkweise und wie er diese Welt wahrnimmt wurde sehr anschaulich transportiert, so dass ich mich sehr gut hineinversetzen konnte.

Die Schriftgröße war angenehm und die Kapitel nicht zu lang.

Manchmal waren mir die Sätze etwas zu ausführlich und verkastelt + auf manche Beschreibung hätte ich verzichten können, weil es mich nicht interessiert hat, aber meinen Lesefluss hat das nicht gestört. Gegen Ende des Buches habe ich es als liebenswerte Macke akzeptiert.

Zur Geschichte:

Der Einstieg fiel mir sehr leicht, weil ich vom fesselnden Erzählstil direkt begeistert war.

Die Geschichte wird aus Griz Sicht erzählt und schon zu Anfang wird sehr gut erklärt wie die Welt aussieht und wie es dazu kam. C. A. Fletcher hat eine beeindruckende, befremdliche und beängstigende Zukunft geschaffen.

Mittendrin findet sich Griz, der noch nie etwas anderes als die Inseln gesehen hat auf denen er aufgewachsen ist. Nun erkundet er, gezwungener Maßen, das Meer und das menschenleere Festland – vor dem er so eindringlich gewarnt wurde.

Durch Rückblicke erfährt man mehr über Griz und die Ereignisse vor 100 Jahren, kleine Andeutungen und Gedankengänge machen immer wieder neugierig darauf was Griz noch alles erlebt bzw. erlebt hat. Sehr lebhaft lässt Griz den Leser – oft mit einer Brise Humor und Selbstironie – an jedem seiner Gedanken, Rückschlüsse und Entdeckungen teilhaben.

Regt aber auch den Leser durch Fragen immer wieder dazu an, in sich zu gehen,um das Jetzt zu reflektieren.

Zwischendrin entstanden, für mich, durch die sehr ausführliche Schreibweise, ein paar Längen, die wenig später dann aber durch neue, spannende Informationen wieder wett gemacht wurden.

Die Handlung ist genial durchdacht, tiefsinnig und sehr, sehr schön erzählt. Gegen Ende gibt es eine Wendung, mit der ich niemals gerechnet hätte und die mich dazu gebracht hat die Geschichte nochmal aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten.

Das Ende selbst ist überraschend, mitreißend, herzerwärmend und ganz so wie ich es mir für Griz gewünscht habe.

Die Charaktere:

Griz ist ein herzensguter, liebenswürdiger junger Mensch, dem im Leben noch nicht viel schlechtes passiert ist. Durch die wenigen sozialen Kontakte die er bisher hatte, fällt es ihm schwer Menschen einzuschätzen. Doch obwohl ihm so viel schlechtes passiert verliert er nicht den Mut und seinen Kämpfergeist, zielstrebig verflogt er den Fremden ohne zu wissen wie es enden wir. Dabei ist er viel alleine mit seinen Gedanken und einem Unterbewusstsein, das nur all zu gerne Ängste schürt.

Ich hatte zu Anfang Probleme zu verstehen warum sich Griz halsüberkopf in diese Jagd stürzt, er kam mir naiv und unüberlegt vor. Doch je mehr ich auf dieser Reise mit ihm zusammen war und seine Gedanken beobachten konnte umso mehr konnte ich nachvollziehen was einen Menschen, alleine am Ende der Welt dazu bewegt so zu handeln.

Im Laufe der Geschichte macht Griz eine deutliche Entwicklung – von weniger naiv zu mehr überlegter, verliert dabei aber nie sein Ziel aus den Augen und behält sein Herz am rechten Fleck.

Meine Meinung:

Mir hat Griz Geschichte richtig gut gefallen. Ich fand sie fesselnd + tiefgründig. Vieles hat mich zum nachdenken angeregt.

Der Erzählstil + die extrem gut ausgedachte und beschriebene Welt haben mich von Anfang an abgeholt. Was bleibt wenn wir mal nicht mehr sind? Jede Menge Plastik, Metall und eine Natur, die sich ihren Lebensraum zurückerobert, das hat C. A Fletcher sehr anschaulich + bildgewaltig beschrieben. Griz ist ein liebenswerter Grübler, der einem an jedem seiner Gedanken teilhaben lässt. Zu Anfang konnte ich nicht nachvollziehen, warum Griz sich Halsüberkopf in diese Jagd stürzt. Er hat mich auch nicht wirklich berührt, aber je mehr ich gelesen habe, umso besser verstand ich seine Denkweise und seine Beweggründe und umso mehr ist er mir ans Herz gewachsen.

Die Suche nach seinem Hund steht nicht immer im Vordergrund, sondern bietet eher den Rahmen dafür das Griz sich selbst besser kennenlernt und seinen Horizont erweitert.

Gegen Ende gab es eine einschneidende Wendung, die mich sehr überrascht hat. Überhaupt hat mir das herzerwärmende Ende sehr gut gefallen.

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