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Rezension Frau Holles Labyrinth von Stefanie Lasthaus

Frau Holles Labyrinth – Stefanie Lasthaus – Märchenadaption – Dezember 2022 – Heyne Verlag – 429 Seiten – 18,0€ – ab 16 Jahre – ♥♥♥♥♥/5 Highlight  Rezensionsexemplar

Wünsche werden Erinnerungen, und Erinnerungen haben Macht“

Da stellt sich die Frage: Was bleibt von uns ohne Erinnerungen?

Magst du Märchen? Jedes Jahr im Dezember lese ich eine Märchenadaption. Letztes Jahr war es „Frozen Queen“ von Jennifer Alice Jager und in diesem Jahr war das Bloggerportal so freundlich und hat mir „Frau Holles Labyrinth“ als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Das Cover ist fantasievoll gestaltet, passt perfekt zur Geschichte und im letzten Moment hat sich der Verlag sogar noch für einen Farbschnitt entschieden. Das Buch ist ein echter Hingucker.

Dies ist das zweite Buch, das ich von der Autorin lese. „Touch of Ink“ hatte mich schon sehr begeistert, aber ihre neue Geschichte war definitiv ein Highlight für mich.

Worum es in der Geschichte geht:

Die magiebegabte Mary macht nach einer Dummheit kurzerhand einen Ausflug zu ihrer Tante Eve, die sie seit Jahren gemieden hat, um ihrer jüngeren, verwöhnten Schwester Moira zum Geburtstag zu gratulieren. Als die beiden im Garten auf der Mauer eines gruseligen, alten Brunnens sitzen fällt das Erbstück der Mutter in die Tiefe.

Moira ist wütend und am Boden zerstört, sie unterstellt ihrer Schwester sogar Absicht. Mary will das nicht auf sich sitzen lassen und beschließt, nach einer Flasche Wein, in den Brunnen zu klettern, um die verlorengegangene Kette ihrer Mutter zurück zu holen.

Etwas geht beim Abstieg schief, Mary fällt und landet hart auf dem Boden. Wie sie mit erschrecken feststellt nicht in ihrer Welt. Am Grunde des Brunnens herrschen andere Regeln, gefährliche kleine Viecher nagen sie an, hier gibt es weder Strom noch Handynetz und Erinnerungen können hier den Tod bedeuten. Hier ist es ständig düster, die Menschen sind schlecht drauf und alle sind sich einig: Die Holle ist an allem schuld.

Aber wer ist diese Holle? Warum ist sie so mächtig? Und wo ist die Magie in diesem Land hin verschwunden?

Dem allem will Mary auf den Grund gehen und begibt sich in große Gefahr.

Zur Geschichte:

Persönlich finde ich „Grimms Märchen“ – egal welches – immer etwas brutal. „Frau Holles Labyrinth“ lehnt sich leicht an das Original an und ist sogar noch düsterer, gefährlicher und unheimlicher.

Nachdem Mary in den Brunnen gefallen ist lernt der Leser sehr schnell wie gefährlich in dieser Welt Erinnerungen sein können und begleitet die Hauptprotagonistin, deren Sicht von einem Erzähler geschildert wird, von einem spannenden Erlebnis zum Nächsten.

Stefanie Lasthaus lässt nur wenig Zeit, um durchzuatmen. Der Storyverlauf ist fantastisch ausgearbeitet, es zieht sich ein roter Faden hindurch und an Unvorhersehbarkeit, Geheimnissen + Spannung mangelt es nicht. Die Welt ist düster und gefährlich, ihre Bewohner traurig, teilweise brutal. Die Geheimnisse häufen sich und machen die Geschichte richtig interessant. Gegen Ende wird aber alles aufgelöst, es bleiben keine Fragen offen so das die Story in sich abgeschlossen ist. Das Sahnehäubchen ist der Epilog, der gibt nochmal einiges zum nachdenken, ich fand ihn genial und passend.

Die Charaktere:

In dieser Erzählung finden sich eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Charakteren.

Mary mochte ich direkt. Sie ist taff, selbstbewusst, mutig und doch auch verletzlich mit einer tiefen Sehnsucht nach Familie.

Besonders gut hat mir gefallen wie Stefanie Lasthaus die Bewohner des Landes und das Land selbst beschreibt. Das ständige Leben in der Dämmerung, zu wenig zu essen und nichts worüber sich die Menschen freuen oder teilen können führt zwangsläufig in eine tiefe Depression.

Angst, Gewalt, Trauer und Hoffnungslosigkeit bis hin zu Wahnsinn zeichnet diese Menschen. Und doch gibt es auch ein Aufbegehren, das Nicht-Hin-Nehmen-Wollen der Situation, was wiederum zu Konflikten untereinander führt Ein ständiger Kampf der alle zermürbt. Und hier in diesem aussichtslosen Chaos ist es trotz allen Widrigkeiten möglich für Mary eine Freundin zu finden.

Die Autorin beschreibt alles flott, bildlich, lebhaft und so hat sie mich von der ersten Seite an in den Bann und in die Geschichte gezogen. Die Ohnmacht der Menschen + die Atmosphäre der Welt kamen bei mir an und haben mich berührt.

Mein Fazit:

Frau Holles Labyrinth“ ist düster, gefährlich, unheimlich, spannend, stellenweise brutal + hat mich ab der ersten Seite in seinen Bann gezogen.

Eine Märchenadaption über Macht, Ohnmacht, das verlieren seines Selbst, Leben und Überleben in einer trostlosen Umgebung und dem Kampf gegen einen undurchschaubaren Gegner hat mich gefesselt.

Die Erzählung hält sich locker an das Original. Stefanie Lasthaus hat mit viel Fantasie ihr ganz Eigenes daraus gemacht. Die Story ist durchweg fesselnd, voll mit Geheimnissen, unvorhersehbaren Wendungen, einer gefährlichen, traurigen Welt und einer Holle die undurchschaubar ist.

Die Welt und die Charaktere sind dunkel und regen zum nachdenken an. Gewalt, Depression, Wut, Trauer aber auch Hoffnung, Mut, Freundschaft und Liebe sind in flottem, bildlichen + mitreißenden Schreibstil auf diesen 429 Seiten zu finden. Für mich war der Epilog das Sahnehäubchen, er hat für mich alles abgerundet, er war genial und für die Geschichte sehr passend. Für mich ist dieses Buch mein Dezember Highlight. Natürlich gebe ich hier meine absolute Leseempfehlung für alle, die düstere Märchenadaptionen zum nachdenken mögen.

Weitere Meinungen findest du bei:
phantastiknews

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