Alle Buchrezensionen,  Fantasy,  Roman

Rezension Ein Lied vom Ende der Welt von Erica Ferencik

Ein Lied vom Ende der Welt – Erika Ferencik – Roman – September 2022 – Goldmann Verlag – 378 Seiten – 24,00€ – ab 16 Jahre – Originaltitel: Girl in Ice – Übersetzung: Ulrike Wasel + Klaus Timmermann – Rezensionsexemplar – ♥♥♥♥/5

Kannst du dir vorstellen auch nur einen einzigen Tag bei -23C° in der Arktis zu verbringen? Mein erster Gedanke war: Niemals. Aber als ich dieses Buch gelesen habe und mir die Schönheit und die Ruhe die dieser Ort ausstrahlt ausgemalt habe, habe ich direkt ein bisschen Fernweh bekommen.

In der Regel lese ich keine Romane, doch der Klappentext hat mich wahnsinnig neugierig gemacht und ich freue mich darüber das der Goldmann Verlag und Bloggerportal mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben und ich mutig genug war aus meiner Komfortzone zu kommen, denn das hat sich richtig gelohnt.

Worum es in der Geschichte geht:

Val ist Linguistin und wird vom Mentor ihres verstorbenen Bruder angerufen mit der Bitte sie solle in die Arktis kommen, um dort die Sprache eines kleinen Mädchens zu entschlüsseln, das er im Eis gefunden hat.

Val reist nicht gerne und wird ansonsten von einigen Ängsten geplagt, auch den Tod ihres Zwillings hat sie nicht verkraftet. Doch auf das drängen ihres Vaters macht sie sich auf den Weg an diesen entlegenen, eiskalten Ort. Trauer, Angst und Unbehagen im Gepäck. Im ewigen Eis warten Rätsel, Unstimmigkeiten zum Tod ihres Bruders und ein unberechenbarer Mentor auf die Linguisten, aber auch die Sprache des Mädchens bereiten ihr Kopfzerbrechen.

Naaja spricht eine Sprache die Val nicht kennt und mit nichts vergleichbar ist was sie bisher gehört hat.

Es drängen sich immer mehr Fragen auf. Doch Fragen können gefährlich sein und die Wahrheit ist es auch.

Zur Geschichte:

Die Story baut sich langsam auf. Erica Ferencik nimmt sich Zeit dem Leser erst einmal einen guten Gesamteindruck der Charaktere und des arktischen Setting zu vermitteln. Dabei geht sie sehr bildlich vor und benutzt gerne Metaphern, um ihre Worte eindringlicher zu gestalten. Das hat mir sehr gut gefallen. Besonders die Beschreibungen der Arktis haben mich mitgerissen und ich konnte mir sehr gut vorstellen wie sich –23C° und eine unendliche Weite Nichts und Weiß anfühlen können.

Im Verlauf der Erzählung trifft der Leser auf einen Mix aus Fantasie, Mystisches, Krimi, Fakten und geschichtliches der Ureinwohner in ein – ab Mitte des Buches – fesselndes Leseerlebnis.

Von Seite zu Seite wird es spannender und es fiel mir schwer dann noch das Buch aus der Hand zu legen.

Die Charaktere:

Die Besonderheit liegt in den Charakteren, die alle sehr gut beschrieben waren und ich sie mir super vorstellen konnte.

Wyatt ist undurchschaubar, unberechenbar, teilweise etwas soziopathisch, furchteinflößend, dann wieder nett und charmant. Ich hätte nicht mit ihm dort sein wollen.

Val ist ein Frack als sie in der Forschungsstation ankommt, Alkohol und Tablettensüchtig versucht sie Naaja’s Vertrauen zu gewinnen und zu ihr durchzudringen. Anfangs mit mäßigem Erfolg. Geplagt von ihren Selbstzweifeln kreisen ihre Gedanken immer wieder um den Tod ihres Bruders.

Jeanne ist in sich gekehrt, an diesen verlassenen Ort geflüchtet, um sich der Trauer um ihren Mann und ihrer Tochter, die bei einem Unfall beide ums Leben kamen, hinzugeben.

Es herrscht eine ständige etwas unterschwellige Atmosphäre, geprägt von Misstrauen, unter den Protagonisten. Jeder scheint etwas zu verbergen oder mit sich selbst ausmachen zu müssen.

Die kleine Naaja ist das wohl größte und gleichzeitig spannendste Rätsel, neben dem Tod von Val’s Bruder, mysteriösen Eisstürmen in sonst warmen Gebieten und der Suche nach einem Mittel diese zu überlebe.

Das letzte Drittel des Buches löst viele der offenen Fragen, ist unheimlich spannend + fesselnd und hat mich einiges an Nerven gekostet, hier waren die Beschreibungen der Situationen so intensiv das ich kurz das Buch beiseite legen musste, um wieder bei mir anzukommen. Besonders begeistert hat mich Vals Entwicklung im Laufe der Erzählung und der Bezug, den sie in angemessen Tempo zu Naaja aufbaut war herzlich und warm beschrieben.

Mein Fazit:

Ein Lied vom Ende der Welt“ birgt einiges an Geheimnissen, Mystik und Rätseln. Ab Mitte des Buches ist die Geschichte richtig spannend + fesselnd. Der Schreibstil der Autorin hat mich mitgerissen und das Setting war kalt, gedämpft, bedrohlich aber auch berauschend, faszinierend und hat eine gedämpfte Ruhe auf mich ausgestrahlt.

Fantasie, Fakten, Krimi und geschichtliches sind auf den 378 Seiten zu finden. Interessante, aber auch unberechenbare Charaktere geben der Geschichte das gewisse Etwas. Die Mischung aus Setting, Story, Charaktere und Schreibstil fand ich richtig klasse.

Selbstzweifel, Tod, Angst und das wachsen an Herausforderungen aus Liebe und Verbundenheit haben mir spannende Lesestunden bereitet. Deshalb gibt es von mir eine Leseempfehlung für alle, die mal etwas anderes suchen und sich nicht von schwierigen Themen wie Sucht, Angststörungen und den Verlust enger Familienmitglieder getriggert fühlen.

Weitere Meinungen findest du bei
lauschige-lesezeit.de
seite101.de

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert